Religion ist eine organisierte Sammlung von Glaubenssystemen und Weltanschauungen, die Menschlichkeit und Geistlichkeit und manchmal moralische Werte miteinander verbinden. Viele Religionen haben Erzählungen, Symbole, Traditionen und eine heilige Vergangenheit, um dem Leben eine Bedeutung zu geben oder den Ursprung des Lebens oder des Universums traditionell zu erklären. Aus dem Glauben bezüglich des Kosmos und der menschlichen Natur werden Moral, Ethik, religiöse Gesetze und die „richtige“ Lebensweise abgeleitet. Es gibt schätzungsweise etwa 4.200 Religionen in der Welt.
Viele Religionen haben ein organisiertes Verhalten, eine geistliche Führung, Regel bezüglich Zugehörigkeit und Mitgliedschaft und heilige Orte und Schriften. Die Ausübung einer Religion beinhaltet auch Rituale, Predigten, Gedenkfeiern für und Verehrung von Gottheiten, Göttern oder Göttinnen, Opfer, Feste, manchmal Trance, Einführungs-, Ehe- und Begräbnis-Zeremonien, Meditation, Gebet, Musik, Kunst, Tanz, öffentliche Gottesdienste und andere Aspekte der menschlichen Kultur. Religion kann auch Mythologie beinhalten.
Manchmal wird das Wort „Religion“ mit „Glauben“ oder „Glaubenssystem“ gleichgesetzt, aber nach Émile Turkheim ist Religion im Unterschied zum persönlichen Glauben „etwas zutiefst Soziales“.
Nach einer weltweiten Umfrage von 2012 sind 59% der Weltbevölkerung religiös, 23% sind nicht religiös und 13% sind Atheisten.
Religiöse Gewalt neigt dazu, den symbolischen Aspekt der Handlung hervorzuheben und zu betonen. Dabei ist sie zunächst einmal Sache des gewalttätigen Täters, wobei zwischen individueller und kollektiver Gewalt und damit Täterschaft unterschieden werden kann. Für die Ausübung religiöser Gewalt gibt es eine große Zahl ideologischer Gründe, aber sie ist generell nur eines von vielen grundlegenden sozialen und politischen Problemen, die zu Gewalttätigkeiten führen können.
Die religiösen Schriften des Judaismus befürworten Mitgefühl und Frieden und die hebräische Bibel enthält die wohlbekannte Aufforderung: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Tatsächlich ist die Friedensliebe und das Trachten nach Frieden das Schlüsselprinzip des jüdischen Gesetzes. Krieg und Töten sind in der jüdischen Tradition in bestimmten Fällen erlaubt – jedoch nur, nachdem der Gegner ein Friedensangebot abgelehnt hat.
In der Bibel finden wir den Umsturz des kann kanaanitischen Glaubenssystems durch das israelitische, das heißt, ein Fürstentum wurde durch ein anderes ersetzt und das Fürstentum des Einen zu errichten, den Glauben an einen Gott, den Monotheismus.
Einige Jahre später übernahmen andere diese neuartige Idee und schufen mithilfe von Mose ihre eigenen monotheistischen Religionen. Das Christentum machte Jesus zu seinem Champion und später machte Muhammed sich zum alleinigen Nachfolger, indem er die „einzig wahre“ monotheistische Religion schuf. Aber egal von welcher Seite man es anschaut, es bleibt eine Religion, ein von Menschen geschaffenes System von Glaubensbekenntnissen.
Alles von Menschen geschaffene bleibt menschengemacht. Und was haben die Menschen geschaffen? Erwartet Gott, dass wir uns vor Ihm verbeugen? Ist Er so stolz und unnahbar? – Menschliche Vorstellungen.
Bittet Gott dich, dass du fünfmal am Tag betest? – Die Erfindung eines Menschen und eine von Menschen erzwungene Maßregelung anderer Menschen im Namen der eigenen religiösen Vorstellung, durch die sie wie Tiere in einen Stall gesperrt und mit einem Brandeisen gekennzeichnet werden.
Wenn wir über unsere Beziehung mit Gott reden nehmen viele an, dass wir glauben, diese Beziehung zu haben.
Kürzlich waren wir an der Universität in Greifswald in Deutschland. Ein Mann fragte, ob meine Bemerkung „ich kenne Gott wirklich“ bedeute, dass ich glaube, Gott wirklich zu kennen. Ich erwiderte: „Ich habe nicht gesagt, dass ich es glaube, sondern dass ich Gott wirklich kenne.“ Eine seltsame Stille machte sich im Raum breit und damit war meine Rede zu Ende.
Ich an seiner Stelle hätte gefragt: „Kannst du mir mehr über diesen Gott erzählen?“ Mit ein paar Worten hätte ich seine Fragen und die vieler anderer beantworten können, aber die Diskussion war genau hier vorbei. Doch warum?
Hätte Jesus vor ihnen gestanden, hätte Er gesagt: „Niemand kennt den Sohn außer dem Vater und niemand kennt den Vater außer dem Sohn und wem der Sohn es offenbaren will.“ [Matt.11,27]
Ist es tatsächlich so, dass niemand mehr Gott kennt? Was wäre, wenn Jesus tatsächlich jemandem von uns Seinen Vater vorstellen würde? Würdest du das akzeptieren? Und wenn ja, müsstest Du dann nicht selbst weitere Nachforschungen anstellen, um Ihn kennen zu lernen? Aber spätestens daran scheitern die Meisten und verschließen sich dem Gedanken, Gott kennen zu können.
Um Fragen zu stellen oder nachzuforschen braucht es wirkliche Demut. Wer fragt, vertraut auf die Antwort und macht sich so abhängig. Wer nachforscht muss demütig sein, um die Ergebnisse der Nachforschung anerkennen zu können. Aber es scheint als ob der menschliche Stolz meistens die Oberhand behält.
In der Welt der Religion und der Religiosität als Ganzes geht es um blinden Glauben, der oftmals jeder Grundlage entbehrt. Wenn jemand eine Erklärung zu einer persönlichen Tatsache abgibt, wird diese oft entsprechend des eigenen festgelegten Glaubens interpretiert.
Für jemanden der erklärt: „Ich kenne Gott.“ gibt es keinen Schutz auf dieser Welt. Hätte ich gesagt: „Ich glaube an die Existenz Gottes.“, hätte niemand etwas dagegen einzuwenden gehabt. Die Mehrheit hätte zugestimmt und in einem demokratischen System wird die Stimme der Mehrheit immer akzeptiert.
Anscheinend wird dieser Planeten immer einsamer für diejenigen, die Gott kennen. Das Schlimmste aber ist, dass kaum jemand ein Interesse an dem hat, was wir wissen – so als ob die Entwicklung des iPhone seinen Höhepunkt überschritten hätte und es nichts Neues mehr zu entdecken gäbe.
Das menschliche Denken entfernt sich von der Wahrheit, weil es entweder in der Religiosität oder der atheistischen Wissenschaft stecken geblieben ist. Beide Lager kontrollieren die Bewegung des freien Willens. Gottheiten sind für das heidnische Denken bestimmt und nicht für diejenigen, die Gott als Person – als ihren Vater – kennen.
Es gibt auf diesem Planeten Menschen, die das Wissen haben und ihren Vater kennen und sie sind hier als Prüfung für andere Menschen – für solche, die vorgeben Gott zu kennen, das aber nicht intelligent beweisen können.
Ich kann dir sagen, was ich weiß und es würde dich aus den Socken heben, aber eine unbewusste Furcht lähmt dich und hält dich davon ab, Fragen zu stellen. Diese unbewusste Furcht ist das Werk eines Dämonen in dir, der Religion heißt.
Jede Religion wurde oder wird von einem Gründer etabliert, der Anhänger seiner Lehre um sich schart. Diese Gefolgschaft versucht, den Geist des Gründers über dessen Tod hinaus am Leben zu erhalten. Das allein ist schon Totenbeschwörung. Darüber hinaus versuchen sie aber, mit mehr oder weniger offen praktizierter Zauberei und Spiritismus mehr von ihrem Religionsgründer zu erfahren. Eine Generation nach der nächsten kopierte dieses Muster.
Das ist eine ganz alltägliche Praxis unter den Indianer, die bis heute die Geister ihrer Vorfahren anrufen. Die falschen Einsichten der toten Medizinmänner wurden von einem zum nächsten Medizinmann weitergegeben bis der ganze Stamm mit der Falschheit eines toten Dämonen verunreinigt war.
Die Lehre und einige besondere Geheimnisse wurden der nächsten Generation mithilfe von Zauberei und Spiritismus weitergegeben. Das bedeutet: Lügen und Täuschungen wurden weitergegeben. Warum? Weil alles Zeitlose in der Vergangenheit gefangen ist. Das heißt, es gibt keine Umkehr und Buße und keine Entwicklung. Ein Toter kann sich weder vorwärts noch rückwärts entwickeln, er ist in der Zeit gefangen, in der er gestorben ist. Aus diesem Grund lügen Dämonen, denn sie können den gegenwärtigen Status des Seins nicht genau erkennen und dann weiter gehen. Verstehst du das?
Dämonen sind in dem Zeitraum gefangen, in dem sie gestorben sind. Es gibt für sie kein danach mehr, weil über den Zeitpunkt ihres Todes hinaus in ihrem Leben nichts mehr existiert. Der Tote erhält seine Energie von den gegenwärtig Lebenden, kann damit sein Leben aber nur bis zum Zeitpunkt des eigenen Todes wiederholen und ist in diesem endlosen Kreislauf gefangen. Da er auf der zeitlosen Seite ist, kann er weder umkehren, das heißt zurückgehen, noch sich entwickeln, also vorwärtsgehen.
Umkehr und Buße und Entwicklung ist nur für die gegenwärtig Lebenden möglich, nicht für die Gestorbenen.
Verstehst du das? Die Toten können nur das Leben der Lebenden bekommen, aber sie haben keinen Willen mehr. Der Wille der Lebenden ist ihr Wille. Deswegen werden diejenigen, die sich mit den Toten einlassen, von Dämonen besetzt. Jeder, der wie König Saul mit Zauberei und Spiritismus spielt, stört die Toten und wird dafür gerichtet werden (1.Sam.28). Dieser Bericht soll uns ermahnen, die Toten nicht zu stören.
Wenn du in das Land kommst, das der HERR, dein Gott, dir geben wird, so sollst du nicht lernen zu tun nach den Gräueln jener Heiden. Es soll niemand unter dir gefunden werden, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lasse, oder ein Wahrsager, oder ein Wolkendeuter oder ein Schlangenbeschwörer, oder ein Zauberer, oder ein Bannsprecher oder ein Medium, oder einer, der einen Wahrsagegeist hat, oder jemand, der die Toten befragt. Denn wer solches tut, ist dem HERRN ein Gräuel, und um solcher Gräuel willen treibt der HERR, dein Gott, sie vor dir aus. Du aber sollst dich gänzlich halten an den HERRN, deinen Gott; denn diese Völker, die du austreiben sollst, gehorchen den Wolkendeutern und den Wahrsagern; dir aber hat das der HERR, dein Gott, nicht gestattet. [5.Mose 18,9-14]
Jeder, der etwas geschrieben, sich dann organisiert und eine Anhängerschaft rekrutiert hat, kann als Gründer einer religiösen Bewegung bezeichnet werden. Aber anders als Jesus, der Sein Leben für uns nieder legte und es wieder nahm, der auferstand und deswegen heute immer noch lebendig ist, sind diese religiösen Leiter tot und – wenn sie in religiösen Zeremonien heraufbeschworen werden – dämonisch. Das ist, kurz ausgedrückt, der Dämon der Religion.
Man könnte sagen, dass Jesus der Gründer des Christentums war. Aber stimmt das? Einige meinen, als Er das Gebot gab, zu predigen und zu lehren, gründete Er eine neue Religion.
„Geht hin und macht Jünger aus allen Völker, indem ihr sie tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie lehrt alles zu halten, was Ich euch befohlen habe. Und siehe, Ich bin bei euch alle Tage bis dieses Zeitalter vollendet ist.“ [Matthäus 28,19-20]
Hat Jesus Mitglieder rekrutiert, die Seiner Religion – und damit entsprechend Seiner Leitlinien einer jüdischen – folgen sollten?
Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen; denn die Erlösung kommt von den Juden. [Johannes 4,22]
Das klingt, als ob dieser Vers bei der späteren Zensur übersehen worden wäre, nicht wahr? Hätte Jesus entsprechend der christlichen Tradition nicht sagen müssen, dass Erlösung nur durch Ihn möglich ist? Aber die Erlösung kommt von der Gesamtheit der Juden – sagte Jesus.
Jesus wollte weder eine andere Religion noch gründete Er eine. Ihm ging es um unsere Beziehungen zum Vater.
Die Herrlichkeit, die Du Mir gegeben hast, habe Ich ihnen gegeben, damit sie eins seien, so wie Wir eins sind. [Johannes 17,22]
Stell dir einen Satelliten vor, der eine Vielzahl von Geräten mit Informationen versorgt: Navigationssysteme, Mobiltelefone, Banken, Fernsehstationen und mobile Kreditkarten-Terminals. All diese Geräte arbeiten mit ein und demselben Versorger. Dieser eine Satellit kann alle möglichen Transaktionen steuern, aber es bleibt ein einziger Satellit. Verstehst du das? Wenn nicht, dann lies es wieder und wieder – solange bis der Dämonen der Religion so schwach wird, dass er einfach aufgibt.
Religion ernährt sich von Fragmentierung und einem extrem niedrigen IQ und da die Massen einen extrem niedrigen IQ haben, ist es einfach, sie mit der Furcht vor dem Unbekannten gebunden zu halten.
An dem Tag, an dem ich „Ja“ zur Letzten Reformation sagte, schoss mein IQ in die Höhe. Ja, ich bin sehr, sehr intelligent – so scharfsinnig, dass es Furcht verbreitet. Es gibt viele intelligente Menschen in dieser Welt, aber fast niemand verarbeitet Informationen so wie ich.
Aberglaube existiert seit Tausenden von Jahren, und wer sich davon nicht trennen will, möchte sich nicht von dem Unbekannten und Unerklärlichen trennen. Aber wie wäre es, wenn sich das Unerklärliche komplett erklären lassen würde – würde an dem dann nicht mehr Unerklärlichen trotzdem festgehalten werden?
Meine Antwort darauf ist: „Nein.“ Die Menschen würden nicht davon lassen und stattdessen erklären, dass das Unerklärliche will, dass sie sich von dem Unerklärlichen trennen um sie mit dem Unerklärlichen verführen zu können.
Einfacher ausgedrückt: das Böse, das Du dir vorstellst will dich glauben machen, dass es gar nicht existiert, um dich zu bekommen und zu verderben.
Anders gesagt: der Trick des Bösen ist, dass es dich nicht an das Böse sondern an das Gute glauben lässt und wenn das Gute versagt, dann wirst du den Bösen verfallen.
Oder: es ist das Böse, das durch verschiedene, anscheinend gute Kanäle (Menschen) arbeitet, um dich des Bösen weniger bewusst sein zu lassen und dich so zu bekommen.
Noch besser: das böse Wesen versucht dir vorzumachen, dass es überhaupt nicht existiert.
Weder die Göttin Diana noch Poseidon, Zeus, Europa oder Pegasus haben existiert und doch haben die Menschen an sie geglaubt ihnen sogar Opfer gebracht.
Gleiches gilt für Hades und Diabolos. Aber diese beiden gingen im Christentum durch eine große kosmetische Veränderung und plötzlich unterschieden sie sich von dem Rest der mythologischen Götter und wurden akzeptiert. Aber warum?
Ist Satan der Diabolos?
Die Frage eines heidnischen Mannes und die jüdische Antwort darauf:
Lieber Rabbi Singer,
als Sie im November 1996 in Buffalo, NY waren, wurden sie während der Frage-und-Antwort-Zeit nach ihrer Ansicht über Engel und im Speziellen über Satan gefragt. Über ihre Antwort war ich sehr erstaunt, aber noch mehr erstaunte mich, dass die anderen anwesenden Rabbiner sich nicht an der Diskussion beteiligten.
In ihrer Erklärung von Satan und anderen gefallenen Engeln schrieben sie die Schaffung des Bösen G-tt zu und machen Ihn damit für das Böse verantwortlich. Dabei gibt es allein in Levitikus mindestens 87 Verweise auf G-ttes Heiligkeit. In Lev.11,44 sagt G-tt: „Ich bin heilig.“ Aber ist nicht Heiligkeit die Abwesenheit von Sünde? Es gibt viele Schriftstellen die beweisen, dass G-tt die Sünde (das Böse) hasst und dass Er Böses in Seiner Gegenwart nicht tolerieren kann. Wie können Sie dann das Böse G-tt zuschreiben? Ich bin gespannt auf die biblische Begründung für ihre Aussagen.
Ich habe ein ziemlich gutes Bild vom Judaismus, aber ich finde in allem, was ich gelesen habe nichts, das ihre Ansicht unterstützten würde.
Antwort von Rabbi Singer:
Die in ihrer Frage angesprochenen Rabbiner haben ihr ganzes Leben dem Studium der jüdischen Schriften und anderer heiliger Literatur gewidmet und waren daher nicht über den Judaismus erstaunt, der in Buffalo an jenem Abend gelehrt wurde.
Warum waren die Rabbiner nicht überrascht von diesen jüdischen Lehren über Satan? Die hebräischen Schriften sagen, dass der Allmächtige sowohl das Gute als auch das Böse in die Welt brachte um den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihren freien Willen einzusetzen.
Siehe, Ich (Gott) habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse. [5.Mose 30,15]
Als Jesaja den Schöpfungsplan Gottes beschrieb, berichtete er, dass der Allmächtige das Böse in der Welt geschaffen hat.
Ich bilde das Licht und schaffe die Finsternis. Ich mache Frieden und schaffe das Böse. Ich, der HERR, tue all diese Dinge. [Jesaja 45,7]
Ich habe diesen Vers weder erfunden noch verfälscht. Er steht tatsächlich genau so in der King-James-Version, einer Übersetzung, die man jedoch schwerlich als aufgeschlossen gegenüber dem jüdischen Glauben bezeichnen kann.
Diese lehrreichen Schriftstellen unterstreichen die fundamentale biblische Lehre vom souveränen göttlichen Plan des Allmächtigen, der vorsieht, dass jede suchende Seele sowohl mit dem Guten als auch mit dem Bösen konfrontiert werden muss um bei der persönlichen Suche nach dem vollkommenen geistlichen Gleichgewicht wachsam zu sein. Der freie Wille ist die Gabe des Allmächtigen an die Menschen, die uns von allen Seinen anderen Geschöpfen unterscheidet. Und wem es gegeben ist, eine höhere geistliche Existenz zu erreichen, braucht im Ringen um ein tugendhaftes Leben die Existenz des Bösen, das als geistliches Gegengewicht dient. Mit anderen Worten: es gibt keine Rechtschaffenheit ohne die freie Entscheidung des Menschen, das Böse zu wählen oder es abzulehnen.
Schriftstellen wie Jesaja 45,7 und 5.Mose 30,15 sind ein gewaltiges Problem für Christen die behaupten, dass Satan, der Engel des Bösen, nicht von Gott geschaffen wurde. In der christlichen Doktrin ist, wie sie auch in ihrer Frage ausführen, Satan der höchstrangige Engel, der durch seine geistliche Auflehnung und den offenen Ungehorsam zum Erzfeind und Verleumder Gottes und zur Verkörperung des Bösen in dieser Welt wurde. Wie sie weiter ausführen, hat Gott nach der christlichen Lehre nichts Böses geschaffen; Er ist ausschließlich der Schöpfer der Rechtschaffenheit und Vollkommenheit. Deshalb hätte Gott niemals so etwas Furchtbares wie den Teufel erschaffen können und Satans unbeugsame Bosheit sei das Ergebnis seiner geistlichen Rebellion.
Im jüdischen Verständnis stellt die Aufgabe Satans, die Menschen zu verführen und von Gott wegzubringen, kein Problem dar, denn Satan ist nur ein Erfüllungsgehilfe Gottes. Als Diener des Allmächtigen führt Satan alle seine Aufgaben nach dem göttlichen Willen seines Schöpfers aus.
Satan ist einer von vielen Engeln, die in der Bibel erwähnt werden und es ist kaum der Mühe wert zu erwähnen, dass das hebräische Wort für Engel malach heißt und „Botschafter“ bedeutet. Gleiches gilt für das englische Wort angel, dass vom griechischen angelos abstammt, welches auch „Botschafter“ bedeutet.
In der ganzen Bibel sind Engel immer Botschafter Gottes und führen den göttlichen Willen des Allmächtigen aus. Es gibt in den jüdischen Schriften nicht ein einziges Beispiel, dass einer der Engel – Satan eingeschlossen – sich dem Willen Gottes widersetzt hätte. Satan ist wie jeder andere Engel ein Erfüllungsgehilfe Gottes und hat weder einen freien Willen noch ist er unabhängig.
In keinem anderen Buch der Bibel ist dieses Prinzip offensichtlicher als im Buch Hiob, in dem Satan eine wichtige Rolle spielt. In Hiob 1 erscheint Satan inmitten einer Schar Engel vor dem Allmächtigen und erklärt, dass Hiobs Rechtschaffenheit nicht vollständig geprüft ist. Er argumentiert, dass Hiob seinen Glauben verlieren könnte, wenn er mit persönlichen Schmerzen und bitterer Armut konfrontiert werden würde und führt aus, dass Hiob Gott einfach deshalb dient, weil dieser ihn beschützt. Dann erbittet er von Gott die Erlaubnis, Hiobs Tugend zu testen. Der Allmächtige entspricht dieser Bitte. Allerdings legt Er ganz genau fest, was Satan bei dieser Prüfung tun darf und was nicht. Satan folgt gehorsam den Anweisungen seines Schöpfers.
Gott entzieht Hiob Seinen Schutz und erlaubt Satan, Hiob seinen Wohlstand, seine Kinder und seine physische Gesundheit zu nehmen um ihn dazu zu verleiten, Gott zu fluchen. Und obwohl er gegen seine Not aufbegehrt und eine Erklärung fordert, schreckt er davor zurück, Gott der Ungerechtigkeit zu beschuldigen. Aber am Ende dieses beispiellosen biblischen Berichtes siegt Hiobs Tugendhaftigkeit über Satans massive Einflüsterungen.
In den Kommentaren zum Buch Hiob drücken die Rabbiner Sympathie für Satan aus, der die schwierige Aufgabe hatte, „das Gefäß zu zerbrechen ohne den Wein zu verschütten“ (Talmud, Bava Basrah 16a).
Im christlichen Verständnis ist Hiobs persönlicher geistlicher Triumph theologisch unmöglich; im jüdischen Verständnis ist er die Verkörperung des Erlösungsprogramms Gottes für die Menschheit. In 5.Mose 30,15 bestätigt die Torah dieses Prinzip und in Jesaja 45,7 wiederholt der Prophet diese Botschaft als er erklärt, dass der Allmächtige selbst das Böse schafft.
Dieses biblische Prinzip war den christlichen Übersetzern offensichtlich zu problematisch. sie brachten ganz klar zum Ausdruck, dass eine Bibel, die behauptet, Gott schaffe das Böse, die starre christliche Lehre von der Erlösung in Frage stellen würde.
Wie kann die Kirche behaupten, dass der Mensch von Natur aus völlig verdorben ist, wenn ihr Gott ihn doch in eine Welt gesetzt hat, in der er frei ist, zwischen gut und böse zu wählen? Wie kann die Kirche an den Doktrinen der völligen Verwerfung und bedingungslosen Auserwählung festhalten, wenn die Torah dem Menschen doch gebietet, seinen freien Willen zu gebrauchen? Wie können Christen behaupten, dass Gott das Böse nicht geschaffen hat, wenn die jüdischen Schriften ganz klar etwas anderes sagen?
Verständlicherweise versuchten die Übersetzer, die Worte des Propheten an die christliche Lehre anzupassen, indem sie das hässliche hebräische Wort rah mit „Unheil“ wiedergaben anstatt es korrekt mit „böse“ oder „das Böse“ zu übersetzen. Daher lesen wir in der Bibel eine falsche Übersetzung von Jesaja 45,7: „Ich bilde das Licht und schaffe die Finsternis. Ich mache Frieden und schaffe das Unheil. Ich, der Herr, tue all diese Dinge.“
Das Wort „Unheil“ ist irreführend und vorsätzlich mehrdeutig gewählt, um den ahnungslosen Leser daraus schließen zu lassen, dass Naturkatastrophen wie Taifune, Erdbeben und Wirbelstürme damit gemeint seien. Die Übersetzung wurde vorsätzlich gefälscht um die originale Botschaft des Propheten zu verheimlichen. Wie erwähnt, ist dieser Vers in der King-James-Version korrekt übersetzt und das hebräische Wort rah wird mit „das Böse“ wiedergegeben.
Ein letzter Punkt steht noch aus. Christen verweisen oft auf Jesaja 14, um ihre Lehre über den endgültigen und vollständigen Fall Satans zu untermauern, der die lange und andernfalls erfolgreiche Karriere dieses gefallenen Engels beendet. Aber der Prophet übt an dieser Stelle heftige Kritik an den babylonischen Herrschern:
Wie bist du vom Himmel herabgefallen, du Morgenstern, wie bist du zu Boden geschmettert, der du die Völker niederstrecktest! [Jesaja 14,12]
Christen argumentieren, dass Jesaja hier mit dem gefallenen „Morgenstern“ den endgültigen Untergang Satans am Ende der Zeit beschreibt, wenn er nicht als Herrscher, sondern als einer unter vielen in den ewigen Feuersee geworfen und für immer und ewig gequält werden wird (Offenbarung 20,20).
Mit dieser Interpretation gibt es jedoch zwei gravierende Probleme. Erstens: wenn Christen behaupten, der „Morgenstern“ sei ein Verweis auf Satan, wie erklären sie dann, dass auch Jesus in Offenbarung 22,16 als Morgenstern bezeichnet wird? Und zweitens: selbst bei oberflächlicher Betrachtung von Jesaja 14 wird offensichtlich, dass mit dem „Morgenstern“ aus Vers 12 Nebukadnezar, der böse König von Babylon und nicht Satan gemeint ist. Der Prophet benennt ausdrücklich den König von Babylon als Ziel seiner Prophezeiung.
Du wirst dieses Spottlied anstimmen über den König von Babylon und sagen: „Wie hat der Unterdrücker geendet, vergangen ist die goldene Stadt.“ [Jesaja 14,4]
In diesem und den vorangehenden Kapitel sagt der Prophet Jesaja den Aufstieg und Fall dieses arroganten babylonischen Königs voraus, der seine ungezügelte Macht nutzte, um Jerusalem zu plündern und den Tempel zu zerstören, am Ende aber einen katastrophalen Sturz erlebte. In Jesaja 14,12 wird Nebukadnezar mit dem Planeten Venus verglichen, dessen Licht am Morgen noch sichtbar ist, mit dem Sonnenaufgang aber verschwindet. Die Herrschaft Nebukadnezars erstrahlte eine kurze Zeit wie das Licht der Venus, aber wie der Prophet voraussagte, wurde sie überschattet von dem Volk Israel, dessen Licht diesen arroganten König, der es gequält und vertrieben hat, ertragen und überlebt hat.
Ihr Rabbi Tovia Singer
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Wer sucht, wird finden.